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"Hotel Advokat", München: Wirtschaftswunder reloaded

Irgendwann ist selbst die Realität der verhasstesten Epoche so weit aus den Köpfen getilgt, dass ihr geistiges Abbild den Charakter des Sehnsuchtsvollen erhält. Dann schauen Modeschöpfer, Designer und anderes kreatives Volk auf jene Äre und verklären sie durch Anleihen in ihren aktuellen Werken. Solchen Status hat auch die Zeit des Wirtschaftswunders erreicht. Einst war es Inbegriff der Piefigkeit, der Muff unter den Talaren, gegen den manche Eltern rebelliert, den andere Erziehungsberechtigte geliebt haben. Beide Varianten sorgten nicht Liebe in den Herzen der Heutigen.

Langsam aber blickt eine Generation auf diese Zeit mit Neugier. Sie selbst rauchen Zigarren, was damals Ausdruck des Es-geschafft-habens war. Hüte sind nicht mehr Ih-Bah, sondern ironischer Kommentar auf die Zeitgeschichte. Und die Autos jener Zeit sind Gesprächsthema, geht es um den Oldtimer, den man gerne kaufen würde, “aber das frisst ja so viel Zeit”. 20012008917.jpg

Wie war es in jener Zeit, zu reisen? Ausgespuckt zu werden aus einer DC 3, nach wackeligem Flug, weiter mit einer Mercedes-Limousine, der weiß behandschuhte Chauffeur öffnet die Tür? Im Zimmer dann den Kamelhaarmantel weghängen und einen Kaffee aus weißem Porzellan in der Lobby? Davon künden heute nur noch Hotels, die seit den Tagen von Ludwig Erhard keine Renovierung erfahren haben. Seien wir ehrlich: In denen möche man nicht nächtigen. Wie es aber gewesen sein muss, damals, das lässt sich im Hotel “Advokat” in München nachempfinden.

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