 |
|
|
Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung Ausgabe 9/2008, Seite 6
Auf Augenhöhe mit dem Gast
Der Münchner Hotelier Kevin Voigt weiß, was ankommt und bezahlt wird. Seine
beiden Häuser im Gärtnerplatzviertel sind zeitgeistig und ein bisschen retro
zugleich.Ein Nischenmodell
VON HENDRIK MARKGRAF
Ein bisschen kühn war es schon, als 30-Jähriger gleich ein Hotel zu übernehmen. Doch der junge Kevin Voigt scheute das Risiko nicht und wurde Pächter des Admiral in der Münchner Kohlstraße im urbanen Gärtnerplatzviertel.
Das ist 16 Jahre her, und das Admiral hält Kurs. Es floriert. Auch wenn die
Gästeschar aus dem Patentamt gegenüber schrumpft, weil einige Teile der
Behörde ausgelagert werden. Anstelle der Juristen kommen jetzt all jene, die
den Charme eines Hotels suchen, das etwas von einem Grand Hotel hat, ohne
eines zu sein.
Bourgeois und lifestylig
Das Admiral ist gehobene Hotellerie. Kein Luxushaus. Ebenso wie das Advokat
einige Straßen weiter seit 1996 ebenfalls unter Voigts Regie. Beide Häuser
zeigen gleichsam zwei Seiten des Direktors: eine barock-bourgeoise und eine
sachlich-lifestylige.
Mit Kevin Voigt, schmal gewachsen, im lässigen Leinenjackett ganz
Großstädter, lässt es sich vortrefflich über Themen der Zeit reden, über
Kultur und Gesellschaft: ein an den Dingen des Lebens interessierter
Hotelier. Dieses Gefühl für die Zeitläufe überträgt sich auf seine beiden
Häuser.
Im Admiral mit seinen 32 Zimmern erzeugt der Hotelier ein zeitgemäßes
Grand-Hotel-Feeling im kleinen Maßstab, eine Atmosphäre von Ruhe, Muße und
stilvoller Gediegenheit. Er bedient dadurch eine Nische, die ihr
bürgerliches Publikum nach wie vor hat.
Im Advokat hingegen, mit 50 Zimmern etwas größer, herrscht eher Coolness,
gepaart mit Anspielungen auf die Geschichte des Hauses, einst
Arbeiterwohnheim der Firma Pfanni. Die Bäder sind im Stil der 60er Jahre
gehalten, die Zimmer kombinieren anspruchsvolles und schlichtes Design,
haben noch die alten Maße. Zimmerfluchten sind hier nicht zu erwarten. Und
die ehemalige Hausmeisterwohnung führt ein neues Leben als Suite.
Bei aller Coolness: Der Gast wird doch auch gestreichelt. Lustig lachen ihn
rotwangige Äpfel an, neckisch in der Falte des in der Mitte eingeschlagenen
Kopfkissens drapiert. Auf dem Nachttisch ein Mini-Buch mit einem Textauszug,
nicht zu schwer, auf jeden Fall anregend. Und in der Mini-Bar Erfrischendes,
gratis als Zugabe.
Kevin Voigt, der auch privat gern Gäste kulinarisch verwöhnt, hat eine
gewinnende Art. Für ihn ist Hotellerie die Kunst des Umgarnens: den Gast in
seinem Selbstwertgefühl erhöhen. Das heißt aber nicht, ihm servil zu
begegnen. Sondern auf Augenhöhe.
Zum Artikel ...
|
|